Galerie Claudia Simon
Einladungskarte der Ausstellung
 
Ausstellung
Werke
Lebenslauf

Piotr Zamojski

Drei Wände

15. Okt. - 05. Nov. 2004

Piotr Zamojski wurde 1963 in Olsztyn/Polen geboren, studierte in Gdansk, München und Düsseldorf.

„Piotr Zamojski interpretiert vorgefundene Räume. Wie jeder gute Interpret prüft er dazu erst die Gegebenheiten: Er mißt genau und erkundet die Verhältnisse. Was dann geschieht, hängt von den Daten und vom Charakter des Raumes ab, seiner Form und auch seiner Geschichte. Er ist ein intimer Kenner diverser mathematischer Ordnungssysteme, ein intellektueller Analytiker mit deuterischen Fähigkeiten. Die Parameter, die er seinen Ausstellungsräumen empirisch abgewinnt, läßt er einen gedanklichen Prozeß durchlaufen, an dessen Ende sparsame und höchst präzise Manipulationen vor Ort stehen. Im Zuge der Operation wird ein abstraktes Konstrukt, ein dem Raum entnommenes Denkmodell, wieder mit der konkreten Raumsituation verschmolzen, wobei ein hoch komplexes Beziehungsgefüge entsteht. Katalogtext, Tim Sommer, „Vier Räume – Zwei Räume“, 2000.

Die Ausstellung „Drei Wände“ ist eine von Piotr Zamojski speziell für diesen Raum konzipierte Arbeit. Es ist das Ergebnis einer Analyse der Raumdimensionen in seiner Ausdehnung und Gestalt und dessen Zeitspuren, der hier im besonderen die Geschichte des Raumes als früheres Beerdigungsinstitut thematisiert. Ein Raum ist immer auch in seiner Art und Funktion durch die Historie an die Zeitdimension gebunden, die der Künstler zum Anlaß genommen hat, um an zwei Wänden jeweils 4 Satzfragmente in Dialog treten zu lassen beziehungsweise welche auch singulär betrachtet, gelesen und durchdacht werden wollen.

In den Satzfragmenten werden die acht möglichen Varianten durchgespielt, die als Gegensatzpaare „vor“ und „nach“ und „Leben“ und „Tod“ thematisieren und in ihrer sprachlichen Verknüpfung wie ein logisches Prinzip in den Raum treten. Jedoch werden im sinngemäßen Zusammenhang die Grenzen des Faßbaren scheinbar überschritten und stellen damit die (un)mögliche Frage der Unendlichkeit, die noch über Leben und Tod hinaus expandiert oder rückwärtig Raum greift. Der Betrachter steht, indem er den Raum betritt, dazwischen und spürt die Herausforderung in der einfachen Präzision der Formulierung und gleichzeitig die Faszination die auftauchenden Löcher des Undefinierbaren gedanklich durchzudeklinieren. Piotr Zamojski geht es dabei nicht um das Aufspüren von religiösem oder metaphysischem Gedankengut, sondern um die Zeit als Meßlatte des menschlichen Bewußtseins und um die formalen und ästhetischen Mittel einen Raum in einer übergeordneten Grammatik zu erfassen und erfahrbar zu machen.

(Claudia Simon)